Gastbeitrag: Wie hoch sind die Kosten der Solarstromförderung wirklich?

Kaum hat die Bundesnetzagentur in der vergangenen Woche die vorläufigen  Zubauzahlen für Photovoltaik-Anlagen in 2011 bekannt gegeben, ging die Diskussion um die Förderung von Solarstrom wieder los. Der Bundesverband Solarwirtschaft e.V. (BSW) war darauf vorbereitet und konnte schnell reagieren mit einer Pressekonferenz zu den Kosten der Solarstromförderung.
Zunächst einmal ging es um die Fakten und den Ansprüchen der Politik. Schließlich hat die Bundesregierung im vergangenen Jahr mit dem Atomausstieg und einem umfangreichen Gesetzespaket selbst die  Energiewende eingeleitet. Dabei hat sie auch hohe Ansprüche festgelegt, es sollen bis 2020 mindestens 35 Prozent des Stromverbrauchs in Deutschland aus erneuerbaren Energien stammen, dazu gehört eine installierte Leistung von ca. 52 GWp Photovoltaik-Anlagen.

Die Solarbranche selbst hält einen Photovoltaik-Anteil von 10% bis 2020 an der Stromerzeugung für realistisch (mit 60 – 70 GWp), ohne dass die Strompreise dadurch deutlich ansteigen. Aktuell beträgt der Anteil des Solarstroms am gesamten Stromverbrauch 3% (mit ca. 25 GWp). Dass dies durchaus im Bereich des wahrscheinlichen liegt, zeigen die angegebenen Zubau-Zahlen bis 2016, die von den Übertragungsnetzbetreibern stammen. Diese prognostizieren im Jahr 2016 eine installierte PV-Leistung von ca. 44 GWp (ca. 7% Anteil am gesamten Strom-Mix), das würde für die nächsten Jahre einem jährlichen Zubau von ca. 4 GWp entsprechen (ca. 70% plus gegenüber dem aktuellen Stand).

Interessant wird die von der Prognos AG ermittelte Strompreissteigerung im Zeitraum bis 2016. Momentan steigt der Strompreis jährlich um ca. 4% an, und für viele Stromversorger sollen die Erneuerbaren Energien die Schuld tragen, auch wenn die EEG-Umlage nur um 0,08 Ct./kWh ansteigt. Der durchschnittliche Strompreis steigt bis 2016, nach Angabe der Prognos AG, um 3,8 Cent/kWh an. Zu dieser Preissteigerung trägt die EEG-Umlage einen Anteil von 1,5 Cent bei und der Photovoltaik-Anteil daran wiederum beträgt nur 0,46 Cent. Das heißt, dass der solarbedingte Preisanstieg bis 2016 (durch den Zubau von neuen PV-Anlagen, der die installierte Leistung um 70% erhöht) nur 1,9% beträgt.
Andere Faktoren oder Erneuerbare Energien  werden wesentlich mehr zur Erhöhung der Strompreise beitragen, wie z.B. die, von der Bundesregierung favorisierte Offshore-Windenergie, oder höhere Beschaffungskosten und Netzentgelte.

Wie kommt nun die geringe Preiserhöhung durch den hohen Zubau zustande?
Vor einigen Jahren noch war jedes zusätzliche GW PV-Zubau wesentlich teurer, wurde höher gefördert und hatte daher auch eine größere Auswirkung auf die EEG-Umlage. Im Jahre 2004 hatte jedes neu installierte GW eine höhere EEG-Umlage von 0,12 Cent/kWh  zur Folge, im Jahr 2012 sind es nur noch 0,035 Cent/kWh – entspricht einer Reduzierung um 70%.
Möglich wird diese Verringerung der Kosten durch die deutliche Reduzierung der Einspeisevergütung in den vergangenen Jahren und die Reduzierung der Kosten von PV-Systemen. Seit 2008 haben sich die Kosten und die Förderung des Solarstroms halbiert. Photovoltaik hat durch die Halbleiter-Technologie die größten Kostensenkungspotentiale von allen Erneuerbaren Energien, vielleicht von der teuersten Technik hin bis zur günstigsten Technik? Ob eine Reduzierung der Kosten weiter so schnell möglich ist, wird sich aber erst noch zeigen müssen, viele Unternehmen arbeiten hart an der Grenze der Wirtschaftlichkeit.

Welche Folge hätte eine Deckelung des Neubaus von PV-Anlagen?
In der Diskussion um die Förderung der Photovoltaik wird immer wieder von einer Deckelung des Zubaus gesprochen, damit die Kosten nicht noch weiter ansteigen. Diese Frage hat sich oben schon fast geklärt. Eine Deckelung des jährlichen PV-Zubaus würde den Strompreis bis 2016 um gerade einmal 1,4% (0,3 Cent/kWh) reduzieren, während der Zubau statt 20,3 GW nur noch 5 GW betragen würde.


Fazit
Der Einfluss des Neubaus von Photovoltaik-Anlagen auf den Strompreis wird überschätzt oder von bestimmten Interessengruppen hoch gehalten. Auf die Erhöhung der Preise hat der PV-Zubau nur noch einen geringen Einfluss. Grund ist die deutliche  Absenkung der Förderung und der Kosten. So kann jedes Jahr die neu installierte Leistung ansteigen bei geringeren zusätzlichen Kosten.
Aber dennoch muss sich die Solarwirtschaft der Diskussion noch mehr stellen. Den Kosten muss mehr der Gewinn entgegen gestellt werden. Wir wollen die Energiewende, wir wollen den Klimaschutz mit erneuerbaren Energien und Bürger wollen auch mehr und mehr unabhängig werden von den steigenden Strompreisen.
Eine Deckelung hingegen würde die Energiewende noch mehr bremsen und deutliche Verluste an Investitionen und Arbeitsplätzen zur Folge haben.

Autor: Wir danken Andreas Kühl von www.energynet.de

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