Boommarkt Indien: Sonnige Aussichten für die Photovoltaik?

Jörg Eggersdorfer, Chief Financial Officer und Vorstand der IBC SOLAR AG

1,2 Milliarden Menschen und ein Bruttoinlandsprodukt von 1,23 Milliarden US-Dollar im Jahr 2009: Indien ist einer der wichtigsten asiatischen Märkte und könnte sich dank guter Sonneneinstrahlung auch für die Photovoltaik positiv entwickeln. Als Teil einer Wirtschaftsdelegation um Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle konnte ich mich vergangene Woche vom Potenzial des Landes überzeugen. In verschiedenen Gesprächen mit Politik- und Wirtschaftsvertretern wurde immer wieder deutlich, dass Indien ein großes Interesse an Greentech-Entwicklungen und Energieeffizienz hat. Das Thema erneuerbare Energien steht weit oben auf der Agenda der indischen Politik. So hat Indien ambitionierte Pläne zum Ausbau der Photovoltaik und rechnet bis 2012 2022 mit einem Zubau von 20 Gigawatt, etwa die Hälfte davon soll auf netzgekoppelte PV-Anlagen entfallen. Eine solche Anlage hat IBC SOLAR im Rahmen des dena-Solardachprogramms bereits 2007 auf dem Goethe-Institut in Bangalore errichtet. Angesichts der Tatsache, dass im Land ein großer Teil der Bevölkerung keinen oder nur begrenzten Zugang zu Energie hat, ist das nicht nur aus ökologischen Gründen wichtig. Gerade im Bereich der ländlichen Elektrifizierung hat IBC SOLAR seit Jahren Kompetenz und Zuverlässigkeit bewiesen: Egal, ob Strom für das Friedenshaus in Kabul oder Elektrizität für eine Dorfgemeinschaft in Malaysia: Letztlich geht es dabei um mehr als „nur“ um Strom, sondern um einen Anstoß zur wirtschaftlichen Entwicklung.

Doch die Erfahrung zeigt, dass es drei wesentliche Stufen auf dem Weg hin zu einem funktionierenden PV-Markt gibt: Die Politik muss das Thema auf ihre Agenda setzen und Ziele zum Ausbau formulieren – das ist in Indien bereits geschehen. Sie muss zudem den Rahmen schaffen, dass die anvisierten Ziele erreicht werden können. Dann wird die private Wirtschaft auf das Thema aufmerksam und kurbelt den Markt an. Ganz erreicht ist diese zweite Stufe der Marktentwicklung noch nicht, doch erste positive Signale gab es beim Get Together mit Wirtschaftsvertretern. Die größte Hürde gilt es jedoch erst noch zu nehmen: Politischer Wille muss von der Verwaltung auch wirklich umgesetzt werden. Und das ist nicht nur in Indien ein langwieriger Prozess.

Dennoch war die Delegationsreise erfolgreich – nicht zuletzt, weil man sehen konnte, dass Deutschland sich im Bereich erneuerbarer Energien im Ausland gut positionieren kann. Auch wenn in der Bundesrepublik mit dem Energiekonzept und der AKW-Laufzeitverlängerung leider aktuell ein etwas anderer Weg eingeschlagen wird, werden wir weiter daran arbeiten, Erneuerbare Energien global zu verbreiten.

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