Warum Strom so viel kostet, wie er kostet, und was Photovoltaik damit zu tun hat

Dass Strom immer teurer wird, ist kein Geheimnis. Tatsächlich ist der Strompreis seit 2011 um rund 27 % gestiegen. Gern werden als Grund hierfür die Erneuerbaren Energien aufgeführt. Und, um es direkt vorweg zu nehmen, das ist schlichtweg falsch. Die hohen Strompreise beruhen auf anderen Faktoren. Doch inwiefern hat Solarenergie eigentlich einen Einfluss auf den Strompreis, und wie kommt dieser zustande?

Die Strompreiszusammensetzung
Der Strompreis setzt sich aus mehreren Komponenten zusammen. Der größte Anteil, nämlich 55 %, basiert auf verschiedenen Steuern und Abgaben (Daten: BDEW 2017). Dazu gehören beispielsweise Umsatz- und Stromsteuer, aber auch die EEG-Umlage. Oft heißt es, diese sei ein Indikator für die Kosten der Energiewende, doch das ist nicht richtig: Nur ein geringer Anteil der EEG-Umlage wird für die Förderung Erneuerbarer Energien – darunter auch Photovoltaik – verwendet.

Grafik 1: Zusammensetzung EEG-Umlage

Mehr als die Hälfte der EEG-Umlage dient jedoch dazu, den Rückgang des Börsenstrompreises („Merit-Order-Effekt“) und die Befreiung vieler Industriebetriebe von der Umlage auszugleichen. Je mehr Stromabnehmer von der EEG-Umlage befreit werden, desto größer ist die Kostenlast, welche auf den verbliebenen Schultern verteilt werden muss – das sind vor allem Privatleute sowie kleine und mittelgroße Gewerbebetriebe. Die EEG-Umlage ist also längst kein Preisschild mehr für Erneuerbare Energien. Dennoch erklärt man die PV-Anlagenbetreiber immer wieder zum Sündenbock für den starken Anstieg der Umlage. Laut Bundesverband Erneuerbare Energien (BEE) (siehe Grafik 1) hat die reine Ökostromförderung jedoch nur einen Anteil von 42% (2,61 von 6,24 Cent im Jahr 2014) an der EEG-Umlage. Der gefallene Börsenstrompreis verursacht 23% (1,45 Cent im Jahr 2014) und die Industrieprivilegien noch einmal 20% (1,15 Cent im Jahr 2014) Zusatzkosten.

Grafik 2: Strompreiszusammensetzung

Ein weiterer Bestandteil des Strompreises sind die Kosten für die Stromerzeugung. Sie machen 19,3 % des Strompreises aus. Ein Anteil von 25,6 % entfällt auf die sogenannten Netzentgelte, die für den Transport und die Verteilung der Energie im Land anfallen, und die jährlich um rund 6,7 % höher ausfallen (siehe Grafik 2, Daten:  BDEW 2017). Doch woran liegt das?

Solarenergie benötigt keinen teuren Stromtrassen
Für die Verteilung der Energie benötigt man Stromtrassen bzw. Stromnetze, und diese müssen aufgrund des stetig steigenden Energiebedarfs immer weiter ausgebaut werden – daher steigen auch die Netzentgelte und der Strompreis. Da die Modernisierung der Stromnetze aufgrund eines Investitionsstaus in den letzten 20 Jahren in Deutschland stark vernachlässigt wurde, ist der Ausbau nun ganz besonders notwendig. Anders als oft behauptet hat der Ausbau also nichts mit Sonnenenergie zu tun. Der Vorteil an Solarstrom ist nämlich vielmehr, dass man diesen direkt dort nutzen kann, wo er auch erzeugt wird. Somit sind erst gar keine Trassen nötig, die den Strom zunächst durch ganz Deutschland verteilen müssen.

Ein zusätzlicher Grund für die steigenden Netzentgelte für private Haushalte ist außerdem die Tatsache, dass diese seit 2011 den Beitrag großer Unternehmen mit einem hohen Stromverbrauch übernehmen müssen, da solche Großverbraucher seitdem von den Netzentgelten befreit sind.

Unterm Strich wird deutlich, dass der Strompreis nicht durch Solarenergie, sondern durch andere Faktoren steigt. Wer da nicht mehr mitmachen will, produziert und verbraucht am besten seinen eigenen Strom – zum Beispiel mit einer Photovoltaik-Anlage und einem Energiespeicher. Denn eigen produzierter Sonnenstrom ist und bleibt garantiert günstiger als Strom aus dem öffentlichen Netz.

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